Aktuelle Lage zu Ernährung und Umwelt

Eine Mitteilung von Gudrun Kaufmann, ärztlich geprüfte Gesundheitsberaterin und Leiterin der OIGL (Odenwälder Interessengemeinschaft für gesundes Leben)

Mail vom 26.01.2018 an Bauern und Bäuerinnen, Bürgermeister und Landräte und weitere Politiker sowie an BürgerInnen – d. h. Verbraucher und Verbraucherinnen!

Essen ist politisch! Wir haben es satt!

Für eine bäuerliche und ökologische Landwirtschaft!
Es tut gut zu sehen, wie viele Menschen sich am 20.01.2018 bei der Kampagne in Berlin für eine lebenswerte Zukunft einsetzten, genauso wie es gut tut, zu sehen, dass man nicht alleine aufklärt und sich wehrt gegen ein Regime, das wir (fast) alle nicht wollen!

Slogans wie
„Vielfalt erhalten, Bauernhöfe stärken“, „Vielfältige Fruchtfolgen statt Alibi-Blühstreifen“, „Glyphosat & Co bleibt uns vom Acker“, „Insekten retten statt Landschaften plätten“, „Stoppt
die Macht der Mega-Konzerne“, „Wir wollen nicht ernten, was Monsanto sät“, „Wir haben Agrarindustrie satt“, „Denkst du an die Zukunft unserer Welt, wird der Acker ohne Glyphosat
bestellt“ zeigten die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der heutigen Politik und der Machtstellung der Konzerne.

Vielen Dank Christian Rollmann, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Kampagne „Meine Landwirtschaft / Wir haben es satt“ (www.meine-landwirtschaft.de | www.wir-haben-essatt. de für folgende Aufnahmen und Bilder:
https://www.facebook.com/WirHabenEsSatt/videos/1661292907269789/ https://youtu.be/OUuQGGcp4AE
Fotos von der Demo: https://www.flickr.com/photos/80493129@N08/sets/72157664841445708
Übergabe politische Erklärung an die AgrarministerInnen der Welt: https://www.flickr.com/photos/80493129@N08/sets/72157692490598625
Neue Wege werden beschritten. Das zeigte neben vielen hervorragenden Rednern auch Prof. Dr. Antônio Inácio Andrioli, Sozialwissenschaftler und Agrarexperte aus Brasilien, Vize-rektor der Universität da Frontera Sul, der bei der Demonstration neben AbL, Campact und vielen anderen auch dabei war. Lassen Sie sich seine Rede nicht entgehen. Sie ist unter
www.youtube.com/watch?v=QjBuqJ-_gr8 zu finden! In seiner Ansprache machte er auf den größten und korruptesten brasilianischen Sojaproduzenten und Sojakönig der Welt Blairo Maggi aufmerksam, der gleichzeitig das Amt des brasilianischen Landwirtschaftsministers bekleidet. Der „Unabhängigen Bauernstimme“ teilte Andrioli bereits 2017 mit, dass Agrarminister Maggi für 40 % der Entwaldung des Landes sorgte. Er wurde schon 2004 als „Kettensäger des Jahres“ bekannt. Als Großgrundbesitzer und Politiker gleichzeitig wirke er als einer der größten Kräfte der Umweltzerstörung Brasiliens. Bauern sterben aus. Sie müssen von anderen ernährt werden! Auf großen Anbaugebieten – meist Monokultur – gibt es kaum Menschen, die die Arbeit machen! Die Menschen, die eine Beschäftigung erhielten, schuften für Sklavenarbeit u. a. für die 220 Großgrundbesitzer, die im brasilianischen Parlament sitzen. Die Arbeiter bekommen meist nur Essen und eine schlechte Wohnung (wenn überhaupt)! Und immer wieder werden dieselben schlechten Argumente verbreitet: Alles diene der Produktion der Welternährung! Die erste Tat des Temer Regimes in Brasilien nach dem parlamentarischen Putsch im Mai 2016 war die Abschaffung des Ministeriums für Menschenrechte und des Kleinbauernministeriums. Derzeit möchte nun Landwirtschaftsminister Blairo Maggi bei seinem Deutschlandaufenthalt besondere Verträge mit Ministern der EU aushandeln. Das Ziel sei hierbei, die Massentierhaltung in Deutschland / Europa zu unterstützen, was große Sojalieferungen aus Brasilien zur Folge hätte. Was heißt das? Prof. Andrioli hierzu: „Je größer die Nachfrage nach Fleisch hier in Deutschland und der EU ist, umso mehr
werden in Brasilien die Landkonflikte steigen, umso mehr wird die Biodiversität zerstört!“ 13 Millionen Hektar Soja würden z. B. alleine im Bundesstaat Mato Grosso angebaut. Dabei werden 270 Millionen Liter Spritzmittel, z. B. Glyphosat eingesetzt, das von Bayer und Monsanto produziert wird. Glyphosat verseucht unsere Umwelt, d. h. Mensch, Tier und Pflanze. Es wurde bereits in Lebensmitteln, im Bier, im Wasser, in Flüssen, im Urin, etc. nachgewiesen und wird von der „Internationalen Agentur für Krebsforschung, IARC“, als „wahrscheinlich krebserzeugend“ eingestuft. Das Institut für Bakteriologie und Mykologie an der Universität Leipzig hat durch Frau Prof. Dr. Monika Krüger und Team festgestellt, dass Glyphosat schädlich auf die Darmflora von Mensch und Tier wirkt: „Glyphosat sorgt dafür, dass nützliche und gesundheitsfördernde Bakterien im Darm abgetötet werden, während es auf die schädlichen Bakterien im Darm keine Auswirkungen hat. Das heißt: Das empfindliche Gleichgewicht im Darm wird durch Glyphosat gestört und öffnet so Krankheiten Tür und Tor.“
Es gibt weiterhin Hinweise, dass Glyphosat in die Hormonbildung eingreift. „Es sind Stoffe, die zum Töten dienen!“, so Prof. Dr. Andrioli in einem Vortrag in Rothenburg.
Dicamba wird von Monsanto als Alternative bei zunehmenden Resistenzen von „Unkräutern“ gegen Glyphosat angeboten. Es bereitet große Probleme durch Abdrift. Neu ist, dass VZuckerrohr und – Eukalyptus zum Anbau zugelassen werden soll. (Quelle: A. Andrioli 2017)
Prof. Antônio Inácio Andrioli rief bei der Kampagne in Berlin auf, kein Fleisch und Soja mehr aus Brasilien zu importieren, solange Umweltzerstörung und
Menschenrechtsverletzungen vorhanden sind.
Ihm ist es übrigens zu verdanken, dass in Brasilien mittlerweile Universitäten in drei Bundesländern entstanden, die es den Studenten und Studentinnen – darunter viele Bauern
und Indigene (auch sie erhalten Stipendien) – ermöglichen, ein Studium für biologische Landwirtschaft zu belegen. Schwerpunkte:
Regionale Entwicklung, Landwirtschaft, erneuerbare Energie, Medizin.
Bauern liefern das Essen an die Universität! Gentechnikfrei! Stärkung der Schulen und sozialen Bewegungen auf dem Land. Die Bauern sind mit an der Uni beteiligt. (Quelle: A. Andrioli, Rothenburg 2017)
Bei der Kampagne in Berlin rief er zum Aufbau neuer Formen der politischen Zusammenarbeit auf. Eine starke Bewegung müsse die Bauern und Bäuerinnen weltweit vereinigen. Frauen“, so betonte er, „hätten dabei eine besondere Rolle in diesem Prozess des Übergangs!“
Antônio Andrioli ließ mir auch den Text eines wichtigen Botschafters von Brasilien zum Mercosur-Abkommen zukommen. Zu finden ist dieser Beitrag unter: amerika21.de/analyse/193248/eu-ende-mercosur
Ulrich Veith, engagierter Bürgermeister der ersten pestizidfreien Gemeinde Mals in Südtirol betonte bei seiner Ansprache in Berlin, dass in ein paar Jahren ganz Südtirol pestizidfrei sein wird.

Und weiter: „Wie kann man wirklich glauben, dass Mittel, die Tiere und Pflanzen töten, für uns Menschen unbedenklich sind? Und zum Zweiten: Was bitte haben Gifte in der Produktion von Lebensmitteln verloren? Lebensmittel und Gifte passen nicht zusammen! Das sehe nicht nur ich als Bürgermeister so, sondern auch 76% unserer Gemeinde. Diese wünscht sich eine Landwirtschaft in ihrem Lebensraum, die ohne chemische Pestizide auskommt. Und das ist eine klare Aussage. Diesem Wunsch sind wir mit dem Pestizidverbot nachgekommen, weil bei uns das Volk das Sagen hat. Lobbyisten haben in Mals Hausverbot.
Jeder Einzelne kann und muss seinen Beitrag leisten. Dafür braucht es nicht viel: Es braucht Weitsicht, Mut und Ausdauer!“ (Quelle: Interview Umweltinstitut München)
Nur so geht es. Das Wunder von Mals: http://www.umweltinstitut.org/aktuelle-meldungen/meldungen/das-wunder-von-malsrichtigstellung. html
Liebe Bürgermeister und Landräte im ganzen Land:
Schließen Sie sich doch bitte Ulrich Veith und Vertretern wie Prof. Andrioli und weiteren an, so dass wir stolz auf Sie sein und hinter Ihnen stehen können!
Und an die Verbraucher und Verbraucherinnen: Wir benötigen für eine gesunde Ernährung kein Soja und schon gar kein Gensoja. Auch nicht für die Fütterung von Tieren. Durch die Hinterstube kommt es durch Restaurants, Kantinen, Supermärkte, usw. auf die Teller. Fragen Sie kritisch nach und boykottieren Sie diese Produkte!

So bleiben Sie gesünder, treten für die Umwelt, Tiere und Pflanzen ein und helfen auch noch Brasilien!

In diesem Sinne wünsche ich alles Gute!
Gudrun Kaufmann